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Der ewige Spagat zwischen Aufbruch und Sesshaftigkeit

15. März 2015

Wie geil es jetzt wäre, mit nem alten Bulli durch Neuseeland zu cruisen und sich dort am besten gleich ne Hobbithöhle zu bauen. Und wie grandios wäre es, genau in diesem Moment eine ewig lange Trekkingtour durch Tibet zu machen. Wie gern würde ich genau jetzt auf meiner eigenen Alm in Südtirol sitzen oder einfach als Weltenbummler jeden Tag in einem anderen Land aufwachen ohne Gedanken an den nächsten Tag zu verschwenden.

Familie und Freunde verlassen, die Wohnung aufgeben, das Auto verkaufen und Tschüssikowski!

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Oft schwirren mir diese Gedanken bei meinen ewig langen Tagträumen durch den Kopf. Dabei entwickle ich viele verrückte Ideen und konstruiere mir ein fantastisches Leben in einem anderen Land. Ständig lese ich Berichte und Artikel über Aussteiger, über Menschen, die alle Zelte abgebrochen haben. Keine Verpflichtungen, kein nervtötender Job, keine Grenzen. Einfach leben, reisen und sorglos in den Tag hineinleben. Viel zu oft verliere ich mich in dieser romantischen Vorstellung des Lebens.

 

| Ich „muss“ etwas tun

 

Ständig habe ich das Gefühl etwas zu verpassen. Die Welt dreht sich zu schnell. Ich komme nicht hinterher und es gibt doch noch so viel zu sehen.

Was ist nach dem Studium?

Ich muss mir doch einen sicheren Job suchen. Ich muss doch Geld verdienen. Ich muss doch irgendwann über eine Familienplanung nachdenken. Ich muss doch irgendwo bleiben und sesshaft werden.

Muss ich das? Will ich das?

Es macht mich wahnsinnig. Träume ich nicht gerade von einem Leben als Weltenbummler, machen mich Gedanken an die Zukunft schrecklich nervös. Ich will doch eigentlich nicht mein ganzes Leben lang einem sinnfreien Beruf nachgehen. Ich brauche nicht überirdisch viel Geld, um mein Leben nach meinen Vorstellungen zu gestalten und eigentlich fühle ich mich doch da am wohlsten, wo die Menschen sind, die ich liebe.

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|Die Verlockung

 

Die Welt ruft mich. Täglich. Ständig lockt sie mich mit Abenteuern, unfassbaren Landschaften und unvergesslichen Momenten. Sie schreit sogar so laut nach mir, dass meine Füße anfangen nervös zu tanzen und mich euphorische Glücksgefühle überkommen.

Verliere ich mich in Gesprächen über vergangene oder geplante Reisen überschlagen sich meine Worte und ich würde die Zuhörer am liebsten sofort packen und mit zu den beschriebenen Orten nehmen, ihnen zeigen, wovon ich da gerade wild erzähle und sie erleben lassen, wie fantastisch dieser Rausch sein kann.

Ein Leben als Weltenbummler? Ein Traum.

Aber ich bin ehrlich. Möchte ich wirklich alleine die Welt bereisen, jeden zu Tränen rührenden Augenblick einsam erleben und alle Erfahrungen nur mit mir selbst teilen? Nein.

Es ist nicht nur die Einsamkeit sondern auch die Ungewissheit, die mir zu schaffen machen würde. Vielleicht bin ich ja gar nicht so abenteuerlustig und verrückt, wie ich immer dachte? Vielleicht steckt in mir ja doch eine ganz normale, langweilige Trulla, die ein Leben mit Haus, Garten und Familie echt richtig knorke finden würde?

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Wahrscheinlich wird es in meinem Leben immer diesen Spagat zwischen Aufbruch und Sesshaftigkeit geben. Oft werde ich diesen Flitz im Kopf haben, der mir sagt: „Los, hau einfach ab, raus mit dir. Die Welt wartet!“

Es werden sich viele Möglichkeiten ergeben, die Welt zu entdecken. Sei es für einige Wochen, Monate oder für Jahre. Eine lange Reise oder auch ein Ausstieg auf Zeit müssen sich für mich immer mit meinem nahen Umfeld und somit mit den Menschen, die ich liebe vereinbaren lassen. Ich werde nicht warten bis ich Rentner bin und „Zeit“ habe. Die Zeit ist immer da, man muss sie nur sinnvoll nutzen, keine Ausreden suchen und jedem Moment Bedeutung geben.

Das wahre Glück findet nämlich kein Mensch an einem karibischen Strand mit Dauersonne oder unter einem Stein irgendwo auf der Welt.

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„Wonach suchst Du? Nach Glück, Liebe, Seelenfrieden? Suche nicht am anderen Ende der Welt danach, sonst wirst Du enttäuscht, verbittert und verzweifelt zurückkehren. Suche am anderen Ende Deiner selbst danach, in der Tiefe des Herzens.“

Tibetische Weisheit

 

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3 comments

inka 23. April 2015 at 15:54

Jep, eindeutig. Da kann ich nur voll zustimmen! :)

Reply
neverendingchaos 23. April 2015 at 20:22

:) es wird sich wohl niemals ändern

Reply
Glückssuche: 9 to 5 leben oder den Job kündigen und ab in die Welt? - Reiseaufnahmen 6. Juli 2015 at 13:54

[…] Linda von Never Ending Chaos fragt sich, wo wie sich einordnen soll im Gedankenkarussell Zuhause und Ferne. Ihre Worte erinnern mich an Goethe, der im Faust schreibt: „Zwei Seelen wohnen, ach! in meiner Brust, die eine will sich von der andern trennen“. Es ist der Spagat zwischen der Reisesehnsucht und der Wunsch nach den Erlebnissen, aber auch dem Glück, dass die Heimat und die dortigen Freunde bieten. Linda schreibt: „Wahrscheinlich wird es in meinem Leben immer diesen Spagat zwischen Aufbruch und Sesshaftigkeit geben.“ Und so kommt sie zu dem Fazit, dass man seiner Zeit einfach eine Bedeutung geben muss, um glücklich zu werden. Mehr über die zwei Herzen in der Brust in Lindas Beitrag „Der ewige Spagat zwischen Aufbruch und Sesshaftigkeit“. […]

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